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Neue Autos braucht das Land! – Grüne diskutieren über die Zukunft der Automobilbranche

 

Neue Autos braucht das Land: Dr. Weert Canzler, Margarete Bause und Karl-Heinz Büschemann

Neue Autos braucht das Land: Dr. Weert Canzler, Margarete Bause und Karl-Heinz Büschemann

Wie sieht unsere Mobilität in 10 oder 20 Jahren aus? Welche Autos werden in Zukunft in Bayern entwickelt, gebaut und gefahren? Welche Herausforderungen muss die Automobilbranche in den nächsten Jahren bewältigen? Welche Erwartungen haben die Mitarbeiter, die Kunden, die Politik, die internationalen Märkte an das Auto der Zukunft? Welche Strategien entwickeln die Autobauer angesichts der vielfältigen Herausforderungen?

Über diese Fragen diskutierte Margarete Bause, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen am Donnerstag Abend mit zwei ausgewiesenen Automobilitätsexperten: Zum einen mit Karl-Heinz Büschemann (im Bild rechts), Journalist und Autor des Buches „Crashtest – Deutsche Autobauer ohne Plan und Strategie“ und zum anderen mit Dr. Weert Canzler (im Bild links), dem Leiter der „Projektgruppe Mobilität“ im Schwerpunkt „Gesellschaft und wirtschaftliche Dynamik“ im Wissenschaftszentrum Berlin.

Karl-Heinz Büschemann erklärte, dass in den Schwellenländern rund 5 Milliarden Menschen auf ein Auto für 4.000 – 5.000 € warten würden. Derzeit seien die deutschen Autokonzerne aber nicht in der Lage, dies zu bauen. In diesem Zusammenhang stellte Büschemann die Subventionen für die Autobauer im Bereich E-Mobilitätsentwicklung in Frage. Das Auto der Zukunft, so der SZ-Journalist, wird von anderen Unternehmen (z.B. aus der Energiebranche, vgl. FTD v. 9.3.2011) und kleinen neuen Unternehmen kommen.

Auch Dr. Weert Canzler plädiert für neue Wege beim Thema Automobilität: “Wir müssen uns von den vier Essentials der Autoindustrie ‘große Reichweite’, ‘starke Beschleunigung’, ‘max. Zuladung’ und ‘Höchstgeschwindigkeit’ verabschieden. Unser Mobilitätsverhalten kann nicht eins zu eins auf E-Mobilität umgestellt werden.” Momentan sieht Canzler die Zukunft des Elektroautos skeptisch: In 10 Jahren werden wir kaum mehr E-Mobile haben, weil es für Private zu teuer und unbequem ist, so der Wissenschaftler. Canzler fordert große Flottenversuche mit E-Mobilen, um diese in ein neues, intelligentes Stromnetz zu integrieren: “Eine Stromlücke wird es durch Umsteigen auf E-Mobilität nicht geben. Im Gegenteil: Überkapazitäten der Regenerativen können z.B. bei nachts abgestellten Busflotten gespeichert werden.”

Globales Ölfördermaximum nach der Berechnung von Marion King Hubbert (cc:by Hankwang)

Globales Ölfördermaximum nach der Berechnung von Marion King Hubbert (cc:by Hankwang)

Beide sind Gäste waren sich einig: Durch den “peak-oil” also das Globale Ölfördermaximum, werden Verbrennungsmotoren im Verbrauch so teuer, dass langfristig auch die Brennstoffzelle eine Chance hat. Der Mobilitätswandel könne aber nicht allein dem Marktgeschehen überlassen werden: “Wir brauchen politischen Druck und eine Nutzerfinanzierung der Mobilität z.B. mit Tempolimit, Abgasgrenzwerten, City-Maut oder einer Sperrung der großen Städte für Verbrennungsmotoren.”

Im Anschluss an die öffentliche Auftaktveranstaltung zum Branchendialog “Automobilität” findet heute, am Freitag, der interne Workshop statt, in dem Vertreter aus Wissenschaft, Technik, Verbänden und Politik die Zukunft der Autobranche in Bayern diskutieren.