Category Archives: Automobilität

Alles rund ums Auto.

Aus dem ifo-Schnelldienst: Sind die Pläne der EU-Kommission zur Treibstoff-Besteuerung ein Beitrag zur besseren Abstimmung der Klima- und der Steuerpolitik?

Die EU-Kommission hat einen Entwurf einer Energiesteuerrichtlinie vorgelegt, der eine grundlegende Reform der Energiebesteuerung vorsieht, um Anreize für eine Reduzierung des Treibstoffverbrauchs zu setzen. Nach Ansicht von Peter Ramsauer, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, sind aus verkehrs- und umweltpolitischer Sicht Fortschritte zu einer weiteren Harmonisierung der EU-Energiebesteuerung zunächst einmal zu begrüßen, aber es gibt gute Gründe dafür, dem Vorschlag der EU-Kommission zum jetzigen Zeitpunkt und in der aktuellen Form mit Skepsis zu begegnen. Die Vorlage einer Energiebesteuerung wirke zu voreilig, da sie stark auf ein isoliertes Feld konzentriert und nicht in ein Gesamtkonzept eingebettet sei. Ferdinand Dudenhöffer, CAR-Center Automotive Research und Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft, Universität Duisburg-Essen, sieht in den Plänen der EU-Kommission einen guten Anfang. Allerdings seien sie erst eine Partiallösung. Was fehle, sei ein durchdachtes Gesamtsystem – und nicht nur eine Steuerlösung für Energie. CO2-Steuer, Energiesteuern und Nutzungsgebühren müssten in einem vernünftigen Verhältnis zuein­ander stehen. Die Aufgabe der EU-Kommission sollte es sein, Vorschläge für ein Gesamtverkehrssystem vorzustellen, das von den Mitgliedstaaten dann gemäß ihren Fiskalbedürfnissen angepasst werden kann. Auch nach Meinung von Werner Rothengatter, Universität Karlsruhe, gehen die Vorschläge der Kommission zur Energiebesteuerung sowohl klima- wie auch steuerpolitisch in die richtige Richtung, verlangen aber substanzielle Nachjustierungen, um kontraproduktive Effekte zu vermeiden. Nach Hans-Jochen Luhmann, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH, sollte das CO2-Element getrennt ausgewiesen und das markante Element einer Besteuerung von Energieträgern im EU-Raum sein.

Der vollständige Artikel aus dem ifo-Schnelldienst 10/2011 wurde uns freundlicherweise von Prof. Dudenhöffer zur Verfügung gestellt.
Er steht hier zum Download bereit.

Südschiene Bayern-BaWü: Sind weniger Autos besser als mehr?

Mercedes-Benz "Concept A-Class" (Quelle: Daimler AG)

Mercedes-Benz "Concept A-Class" (Quelle: Daimler AG)

“Weniger Autos sind natürlich besser als mehr”, sagte Winfried Kretschmann, Baden-Württembergs neuer grüner Ministerpräsident nach der Wahl. Damit provozierte er die vorhersehbare, reflexartige Kritik der CSU, die ein Jahr nach einer massiven Pkw-Überproduktion, die zur sog. “Abwrackprämie” geführt hat, immer noch am “mehr ist mehr” festhält.

Fast zeitgleich stellte jedoch Mercedes Benz bei der “Auto Shanghai 2011″ die Concept A-Class vor: Ein Vorgeschmack auf den breiten Einstieg in kleinere, ökologischere und zukunftsfähigere Autoklassen, auch bei den “Premiummarken”. Denn ganz im Sinne von Kretschmann zeigt Mercedes damit, dass Qualität vor Quantität durchaus Sinn macht. Damit ist Mercedes in guter Gesellschaft, denn überall wird derzeit darüber nachgedacht, welchen Bedeutung das Auto für zukünftige Mobilitätsphilosophien haben wird.

Dass der Automobilstandort Bayern allen voran mit Audi und BMW in dieser Frage weiter ist, als die Regierungsparteien zeigte sich auch beim Grünen Branchendialog “Automobilität”, in dem die Beteiligten ein differenziertes Bild zeichneten. Wir alle merken, dass Gesellschaft und Wirtschaft im Wandel sind, und die Grünen im Bayerischen Landtag sind gut aufgestellt, einen konstruktiven Beitrag zu leisten – jenseits der Angstmacherei der CSU. Denn auch für Bayern gilt der Satz von Winfried Kretschmann: “Wir müssen zeigen: Wohlstand ist möglich, ohne Lebensgrundlagen zu zerstören.”

Neue Autos braucht das Land! – Grüne diskutieren über die Zukunft der Automobilbranche

 

Neue Autos braucht das Land: Dr. Weert Canzler, Margarete Bause und Karl-Heinz Büschemann

Neue Autos braucht das Land: Dr. Weert Canzler, Margarete Bause und Karl-Heinz Büschemann

Wie sieht unsere Mobilität in 10 oder 20 Jahren aus? Welche Autos werden in Zukunft in Bayern entwickelt, gebaut und gefahren? Welche Herausforderungen muss die Automobilbranche in den nächsten Jahren bewältigen? Welche Erwartungen haben die Mitarbeiter, die Kunden, die Politik, die internationalen Märkte an das Auto der Zukunft? Welche Strategien entwickeln die Autobauer angesichts der vielfältigen Herausforderungen?

Über diese Fragen diskutierte Margarete Bause, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen am Donnerstag Abend mit zwei ausgewiesenen Automobilitätsexperten: Zum einen mit Karl-Heinz Büschemann (im Bild rechts), Journalist und Autor des Buches „Crashtest – Deutsche Autobauer ohne Plan und Strategie“ und zum anderen mit Dr. Weert Canzler (im Bild links), dem Leiter der „Projektgruppe Mobilität“ im Schwerpunkt „Gesellschaft und wirtschaftliche Dynamik“ im Wissenschaftszentrum Berlin.

Karl-Heinz Büschemann erklärte, dass in den Schwellenländern rund 5 Milliarden Menschen auf ein Auto für 4.000 – 5.000 € warten würden. Derzeit seien die deutschen Autokonzerne aber nicht in der Lage, dies zu bauen. In diesem Zusammenhang stellte Büschemann die Subventionen für die Autobauer im Bereich E-Mobilitätsentwicklung in Frage. Das Auto der Zukunft, so der SZ-Journalist, wird von anderen Unternehmen (z.B. aus der Energiebranche, vgl. FTD v. 9.3.2011) und kleinen neuen Unternehmen kommen.

Auch Dr. Weert Canzler plädiert für neue Wege beim Thema Automobilität: “Wir müssen uns von den vier Essentials der Autoindustrie ‘große Reichweite’, ‘starke Beschleunigung’, ‘max. Zuladung’ und ‘Höchstgeschwindigkeit’ verabschieden. Unser Mobilitätsverhalten kann nicht eins zu eins auf E-Mobilität umgestellt werden.” Momentan sieht Canzler die Zukunft des Elektroautos skeptisch: In 10 Jahren werden wir kaum mehr E-Mobile haben, weil es für Private zu teuer und unbequem ist, so der Wissenschaftler. Canzler fordert große Flottenversuche mit E-Mobilen, um diese in ein neues, intelligentes Stromnetz zu integrieren: “Eine Stromlücke wird es durch Umsteigen auf E-Mobilität nicht geben. Im Gegenteil: Überkapazitäten der Regenerativen können z.B. bei nachts abgestellten Busflotten gespeichert werden.”

Globales Ölfördermaximum nach der Berechnung von Marion King Hubbert (cc:by Hankwang)

Globales Ölfördermaximum nach der Berechnung von Marion King Hubbert (cc:by Hankwang)

Beide sind Gäste waren sich einig: Durch den “peak-oil” also das Globale Ölfördermaximum, werden Verbrennungsmotoren im Verbrauch so teuer, dass langfristig auch die Brennstoffzelle eine Chance hat. Der Mobilitätswandel könne aber nicht allein dem Marktgeschehen überlassen werden: “Wir brauchen politischen Druck und eine Nutzerfinanzierung der Mobilität z.B. mit Tempolimit, Abgasgrenzwerten, City-Maut oder einer Sperrung der großen Städte für Verbrennungsmotoren.”

Im Anschluss an die öffentliche Auftaktveranstaltung zum Branchendialog “Automobilität” findet heute, am Freitag, der interne Workshop statt, in dem Vertreter aus Wissenschaft, Technik, Verbänden und Politik die Zukunft der Autobranche in Bayern diskutieren.

Automobilbranche Bayern: Die Beschäftigtenzahlen

Automobilindustrie Bayern - Beschäftigte nach Regierungsbezirken

Automobilindustrie Bayern: Beschäftigte nach Regierungsbezirken

Zur Vorbereitung auf unsere Branchendialoge durchforsten wir gerade alle möglichen Datenbestände. Das ist gar nicht so leicht, da aktuelle Daten oft noch nicht vorliegen – vor allem speziell für Bayern. Trotzdem lassen sich interessante Zahlen finden. So zeigt unsere Grafik oben die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen der bayerischen Automobilindustrie. Im Jahr 2001 waren 175.377 Menschen beschäftigt, im Jahr 2008 ein Rekord von 184.909 Menschen und im Folgejahr 2009 dann ein Tiefstand von 168.593 Beschäftigten.

Nach Regierungsbezirken aufgeschlüsselt, sieht man, dass vor allem (Ober-)Franken von Stellenabbau betroffen ist: Über 9.000 Stellen sind hier in der Autobranche in den letzten Jahren weggefallen. Während andere Regionen im 10 Jahres-Vergleich eher stagnieren, konnte dagegen Schwaben kontinuierlich rund 2.o00 Arbeitsplätze hinzugewinnen.

Automobilindustrie Bayern - Beschäftigte nach Wirtschaftsgruppen

Automobilindustrie Bayern: Beschäftigte nach Wirtschaftsgruppen

Neben der Betrachtung nach Regierungsbezirken ist es auch interessant, sich die Wirtschaftsgruppen anzusehen. Im Bereich “Kraftwagen/Motore” (blau) waren in den letzten Jahren zwischen 107.000 und fast 113.000 Menschen beschäftigt und bei “Karosserien, Aufbauten & Anhänger” (grün) zwischen 6.800 und 8.400 Menschen. Im Bereich “Teile/Zubehör für Kraftwagen” gab es die größte Schwankung von rund 64.074 Beschäftigten im Jahr 2008 blieben im Folgejahr nur noch 53.641 übrig.

Unser Fazit: Die Zahlen belegen, dass die Automobilindustrie in Bayern ein wichtiger Arbeitgeber ist und dass von ihrer Zukunft nicht nur viele tausende Arbeitsplätze abhängen, sondern auch das Schicksal ganzer Regionen. Darum sehen wir als Grüne unseren Auftrag darin, die Branche in die Zukunft der Automobilität zu begleiten.

 

Neue Autos braucht das Land! – Einladung zur öffentlichen Auftaktveranstaltung der Branchendialoge

Weert Canzler

Weert Canzler

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

wir laden Sie herzlich ein zur öffentlichen Auftaktveranstaltung unserer Branchendialoge „Ökonomie im Grünen Bereich“ mit dem Thema

Neue Autos braucht das Land!

am Donnerstag, 7.4.2011 um 19 Uhr in Saal 3 des Bayerischen Landtags.

Wie sieht unsere Mobilität in 10 oder 20 Jahren aus? Welche Autos werden in Zukunft in Bayern entwickelt, gebaut und gefahren? Welche Herausforderungen muss die Automobilbranche in den nächsten Jahren bewältigen? Welche Erwartungen haben die Mitarbeiter, die Kunden, die Politik, die internationalen Märkte an das Auto der Zukunft? Welche Strategien entwickeln die Autobauer angesichts der vielfältigen Herausforderungen?

Wir möchten reden über Entwicklungen, Zukunftsvorstellungen und Handlungsstrategien. Denn die Frage, wie eine zukunftsfähige (Auto)Mobilität angesichts von Klimawandel, Ressourcenknappheit und globaler Motorisierung aussehen kann, betrifft uns alle.

Über die Autos der Zukunft diskutieren:

Dr. Weert Canzler

Leiter der „Projektgruppe Mobilität“ im Schwerpunkt „Gesellschaft und wirtschaftliche Dynamik“ im Wissenschaftszentrum Berlin

Karl-Heinz Büschemann
Journalist, Autor des Buches „Crashtest – Deutsche Autobauer ohne Plan und Strategie“

Moderation
Margarete Bause, MdL
Fraktionsvorsitzende

Zur Einstimmung in das Thema zeigen wir eine kurze Werberolle zum Thema Automobil aus den letzten Jahrzehnten.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme – melden Sie sich gleich online an!

Herzliche Grüße

Margarete Bause, MdL

 

Es bewegt sich was: Automobilität als erstes Thema der Branchendialoge

"La Jamais Contente" (1899)

Der “La Jamais Contente”, das Elektroauto, das im Jahr 1899 als erstes die 100 km/h-Grenze erreichte, verfügte nur über einen Lenkstock und ein Fußpedal. Heutige Elektroautos sind dagegen viel komfortabler, wie man zuletzt beim Genfer Autosalon bewundern konnte. Besonders spannend war, dass neben den PS-Boliden vor allem intelligente, umweltschonende Autos einen breiten Raum einnahmen. Jürgen Pander schreibt dazu im Spiegel-Artikel “Grüner wird’s noch nicht“:

Auch im obersten Luxussegment spielen Kategorien wie Ressourcenschonung bei der Produktion, Spritverbrauch und Schadstoffausstoß durchaus eine Rolle – selbst die Ingenieure von Lamborghini bemühen die Umwelt, wenn sie ihren Aventador anpreisen. Rolls-Royce, die Ikone des britischen Autoadels und der Prunk auf Rädern schlechthin, geht sogar noch weiter. In Genf zeigt die zu BMW gehörende Luxusmarke das Flaggschiff Phantom mit Elektroantrieb.

Trotzdem – so auch der Tenor in dem Artikel – liegen vor der Automobilindustrie noch lange Wege zu ressourcenschonenden Fahrzeugen. Aber es bewegt sich etwas. Und so ist “Automobilität” als erster Schwerpunkt der Branchendialoge genau das richtige Zukunftsthema.